So können Sie länger und sicher zu Hause bleiben

Unauffällig und sicher: Das neue Assistenzsystem Siima kann Leben retten und beliebt dennoch im Hintergrund.
Unauffällig und sicher: Das neue Assistenzsystem Siima kann Leben retten und beliebt dennoch im Hintergrund. - (Bild: Energie Wasser Bern, 2021)
Von baulichen Massnahmen über Assistenzsysteme: Möglichkeiten für sicheres Wohnen im Alter gibt es viele. Dabei werden die persönlichen Bedürfnisse oft vernachlässigt.

Trautes Heim, Glück allein. Dieses Sprichwort widmet sich dem Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit in den eignen vier Wänden. Doch gilt das auch im Alter? Wenn Gebrechen zunehmen, haben viele ältere Menschen und vor allem Angehörige Angst um deren Sicherheit. In der Schweiz und Deutschland stürzen jedes Jahr über 100’000 ältere Menschen ab 65 Jahren. Mehr als 10’000 dieser Menschen sterben jährlich an den Folgen eines solchen Sturzes. Die Ursachen sind vielfältig: Mangelnde Kraft, unsicheres Gleichgewicht oder auch Sehschwäche können eine Rolle spielen. Dabei wollen die meisten älteren Menschen möglichst lange selbständig zu Hause wohnen. Dort fühlen sie sich sicher und verbinden schöne Erinnerungen mit der vertrauten Umgebung.

Was wünschen sich alleinlebende, ältere Menschen?

Eine Möglichkeit den Alltag sicher zu gestalten sind Gefahrenquellen zu beseitigen. Schwellen, schlecht beleuchtete Treppenstufen oder rutschige Fliesen im Badezimmer können sicherer gemacht werden. Eine andere Möglichkeit bieten eine Vielzahl von technischen Assistenzsystemen. Sie warnen vor Gefahren, holen per Knopfdruck Hilfe und informieren Angehörige. All diese Massnahmen haben etwas gemeinsam: Sie wirken sich direkt auf den Alltag aus, sind auffällig oder müssen bedient werden. Es gibt sogar in den Wänden verbaute Sensoren. Sie sind so empfindlich, dass sie Vitaldaten und Position der Bewohner aus einer Entfernung von bis zu acht Metern erfassen können. Damit die Sensoren jeden Bewohner klar identifizieren können, trägt jeder eine individuelle Sensorkarte bei sich. Fast schon unheimlich. Fühlt man sich hier nicht überwacht?

Dabei wünschen sich Menschen ab einem gewissen Alter, ihren Alltag wie gewohnt und ohne Umstände fortführen zu können. Sie möchten ein möglichst selbstständiges und eigenverantwortliches Leben führen – ohne aufdringliche Überwachungssysteme, ohne umständliche Baumassnahmen oder unbequeme Hilfsmittel, wie zum Beispiel das Tragen von Alarmbändern. Und dennoch haben sie - und vor allem ihre Angehörige - ein Bedürfnis nach Sicherheit.

Wenn das Stromnetz im Notfall hilft

Morgen, Mittag, Abend. Wir alle haben unsere täglichen Rituale, vom Einschalten der Kaffeemaschine nach dem Aufstehen, zum Pasta kochen, bis zur Lieblingssendung im Radio. Diese täglichen Routinen und den dadurch bedingten Stromverbrauch macht sich zum Beispiel ein neu entwickeltes System namens «Siima» zu Nutze. Ohne aufdringliche Überwachung, ohne umständliche Baumassnahmen oder unbequeme Hilfsmittel kann Siima potentielle Notfälle anhand der Stromdaten erkennen. Wenn Jemand in der Wohnung stürzt, ohnmächtig wird oder die Pfanne auf dem Herd vergisst, erkennt siima die Abweichungen im Stromverbrauch und Angehörige oder eine Notrufzentrale werden alarmiert. Die Freiheit und Privatsphäre der Bewohner bleibt gemäss den Entwicklern stets bewahrt.

Der Name Siima steht für «Sicherheit im Alltag». Das intelligente System wurde in Zusammenarbeit mit dem Energie-Dienstleister «Energie Wasser Bern» (EWB) entwickelt. Zusammen mit führenden Serviceanbietern, Hochschulen und Partnern soll Siima kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt werden.

Expertenmeinung

Fast ein Drittel der Menschen in der Schweiz und Deutschland wird in weniger als zehn Jahren älter als 65 Jahren sein. Experten rechnen damit, dass der Bedarf an technischer Unterstützung weiter zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund könnten Systeme wie Siima den Zeitgeist und vor allem die Bedürfnisse der älteren Menschen treffen. Doch sind Systeme, die sich lediglich auf Verhaltensmuster stützen, sicher? Auf Anfrage bei den Entwicklern von Siima wird die Zuverlässigkeit bestätigt. Das System werde vor der Installation während einer wochenlangen Probephase kalibriert und lerne später ständig dazu. Zudem sei Siima bereits bei verschiedenen Haushalten und Altersiedlungen im Einsatz. Ein 100 Prozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber Systeme wie Siima bieten einen völlig neuen Ansatz für ein würdiges, freies und sicheres Leben im Alter.

Weitere Informationen: www.siima.ch

Autor: Dominik Hanisch