Gedächtnis stottert: Stress ist schuld

Wenn das Gedächtnis stottert, sorgen sich Betroffene oft um ihre geistigen Fähigkeiten. Hinter den Aussetzern steht oft ein Grund: Stress.
Gedächtnis stottert: Stress ist schuld
Stress und die unterschätzen Folgen fürs Gehirn (Bild: iStock)

Gedächtnis stottert: Welche Rolle spielt Stress?

Das Gedächtnis stottert – warum dies kein Grund zur Sorge ist

Wir alle haben es schon einmal erlebt, dass das Gedächtnis stottert, plötzlich und ohne Ankündigung: Ein Name entgleitet, ein Gedanke entschwindet beim Sprechen, ein wichtiger Termin war eben noch präsent – und löst sich dann im Nichts auf.

Solche Momente fühlen sich irritierend an und können Sorgen um die eigene kognitive Leistungsfähigkeit aufkommen lassen. Manchmal mag gar ein Angstwort im Kopf herumspuken: Demenz.

Doch diese kleinen Denkstolperer sind selten ein Zeichen nachlassender kognitiver Fähigkeiten oder gar einer neurologischen Erkrankung. Viel häufiger sind sie die Konsequenz von etwas, das unser modernes Leben im Übermass mit sich bringt: Stress.

Erst wenn die Aussetzer gehäuft auftreten, sich deutlich verstärken oder den Alltag beeinträchtigen, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Zunehmend findet die Forschung heraus, wie alltägliche Belastungen das Gehirn beeinflussen. Chronischer Stress verändert nachweislich die Aktivität und Struktur bestimmter Hirnareale. Betroffen ist hauptsächlich der Hippocampus, der für die Gedächtnisbildung und das Abrufen von Gedächtnisinhalten eine zentrale Rolle spielt.

Gleichzeitig beeinflusst Stress die präfrontale Rinde, die für Konzentration, Entscheidungsfindung und Arbeitsgedächtnis zuständig ist. Wenn Stress dauerhaft präsent ist, arbeiten diese Hirnareale weniger effizient. Zu den Folgen zählt unter anderem ein stotterndes Gedächtnis.

Warum sind Menschen ab 50 Jahren besonders häufig betroffen?

Menschen über 50 stehen heute üblicherweise mitten im Leben. Viele sind beruflich aktiv und nicht selten in verantwortungsvolle Positionen aufgestiegen. Sie koordinieren familiäre Verpflichtungen, sind manchmal Kinder, Eltern und Grosseltern zugleich, engagieren sich ehrenamtlich und halten Kontakt zu einem breiten sozialen Netzwerk.

Diese Vielfalt, die ebenso Herausforderungen mit sich bringt, ist ein grosser Gewinn, kann aber zu einer dauerhaften mentalen Überlastung führen.

Zu nennen ist ein weiterer Punkt, den die Forschung erkannt hat: Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Fähigkeit, Stress zu kompensieren, zwar nicht automatisch ab, sie verändert sich jedoch. Wer über Jahrzehnte hinweg gelernt hat, beruflich wie auch privat viel zu leisten, reagiert tendenziell weniger aufmerksam auf Frühwarnzeichen.

Hinzu treten hormonelle Veränderungen, die die Schlafqualität beeinflussen und das Stresssystem sensibler machen. Das bedeutet: Stress entsteht oft unbemerkt und entwickelt sich über Jahre hinweg, bis er sich tief in den Alltag eingegraben hat.

Was im Gehirn passiert, wenn der Stress überhandnimmt

Unter Belastung schüttet der Körper Cortisol aus – ein Hormon, das bei echter Gefahr lebenswichtig ist und den Organismus in den «Kampf-oder-Flucht»-Modus versetzt.

Problematisch wird es jedoch, wenn der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht bleibt. Der Grund dafür ist, dass das Hormon die Signalübertragung zwischen Nervenzellen beeinflusst und in grösseren Mengen die Plastizität des Hippocampus verringert; ebenso fällt es der präfrontalen Rinde schwerer, Informationen zu sortieren.

Die Konsequenzen:

  • Namen entfallen
  • Es wird schwieriger, Aufgaben zu organisieren und systematisch zu erledigen
  • Gedankenketten brechen ab
  • Die allgemeine Konzentrationsfähigkeit sinkt

Unser Stresssystem funktioniert noch immer nach alten Mustern, die aus einer Zeit stammen, in der uns Säbelzahntiger und giftige Schlangen statt Deadlines und langatmige Meetings bedrohten.

Für unsere frühen Vorfahren war es überlebenswichtig, in Gefahrensituationen sofort Kraft, Wachsamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit zu mobilisieren. Dass darunter die geistigen Fähigkeiten kurzzeitig litten, spielte aus evolutionärer Sicht keine Rolle – der Überlebensvorteil der schnellen körperlichen Aktivierung überwog deutlich.

Das Beruhigende: Die genannten Veränderungen sind in den allermeisten Fällen reversibel. Sinkt der Stresspegel, erholen sich sowohl Hippocampus als auch präfrontale Rinde.

So verbessern Sie Ihr Gedächtnis, ohne Ihr Leben umzubauen

Um ein gelegentlich stotterndes Gedächtnis wieder in seinen gewohnten Takt zu bringen, empfiehlt sich ein Mix aus gezielten Gedächtnisübungen und Methoden zur Stressreduktion. Beides ist wirksam, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

Wenn Ihr Gedächtnis besonders in physisch oder psychisch belastenden Situationen stottert, etwa nach wenig Schlaf, bei innerer Unruhe oder nach einer Abfolge verschiedener Meetings, erbringen Techniken zum Stressabbau die deutlichsten Verbesserungen.

Nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihre Familie, erledigen Sie anstehende Aufgaben nach klaren Prioritäten, schalten Sie Ihr Handy am Abend aus, gehen Sie an die frische Luft. Das mag abgedroschen klingen, ist aber wirksam: Ständige Erreichbarkeit unterbricht komplexe Denkprozesse, bevor sie richtig beginnen, und Multitasking ist wenig mehr als ein Mythos von Effizienz, der die Konzentrationsfähigkeit erwiesenermassen untergräbt.

Schon 20 bis 40 Sekunden bewusstes Abschalten – Augen schliessen, ruhig atmen – verbessern die Konzentration. Und ein kurzer Spaziergang wirkt wie ein Neustart für das Arbeitsgedächtnis.

Stottert das Gedächtnis auch ohne äusseren Druck, können Apps mit Erinnerungsfunktionen sowie analoge oder digitale Notizen dabei helfen, anstehende Aufgaben systematisch zu erledigen.

Zum Schluss eine gute Nachricht: Unser Gedächtnis ist erstaunlich anpassungsfähig. Schon kleine Veränderungen bringen es wieder in den gewohnten Takt – ohne grossen Aufwand, ohne Ihr Leben auf den Kopf zu stellen.


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