Zu knappe Umsteigezeit führt zu Flugentschädigungen

Oft reicht die Umsteigezeit nicht.
Oft reicht die Umsteigezeit nicht. - (Bild von Nel Botha auf Pixabay)
Wenn Kunden einer Fluglinie nicht pünktlich zu ihrem Anschlussflug kommen, weil die Umsteigezeit nicht ausreicht, haftet die Fluglinie.

Umsteigezeiten müssen jedoch im Einzelfall vor Gericht geprüft werden. Kann die Airline nicht beweisen, dass die Umsteigezeit ausreichend gewesen ist, müssen Gäste nach der EU-Fluggastrechteverordnung entschädigt werden.

Entschädigung nach EU-Verordnung

Die EU-Fluggastrechteverordnung 261 regelt, wie Kunden von Fluggesellschaften bei Ausfällen und Verspätungen entschädigt werden müssen. Voraussetzung ist, dass Landung, Start oder beides auf europäischen Boden stattfinden. Je nach Entfernung bekommen Fluggäste, die sitzen gelassen werden oder verspätet ankommen, bis zu 600 Euro Schadensersatz.

Dabei gibt es immer wieder unklare Fälle, bei denen die Kunden ihre Entschädigung nicht erhalten. Vor allem Grenzfälle, wie ein verpasster Anschlussflug, können dafür sogen, dass sich die Airline sperrt. Kunden, die einen Anschlussflug verpasst haben, berichten häufig davon, dass ihnen eine Entschädigung verweigert wurde. In diesen Fällen sollten sich Betroffene beraten lassen. Es lohnt sich häufig rechtliche Schritte einzuleiten oder zumindest anzudrohen.

Pflichten der Airline

Die pünktliche und sichere Beförderung der Fluggäste ist Bestandteil des Vertrages, der zwischen Fluggast und Fluggesellschaft geschlossen wird. Diese Regel kann dabei in der Regel auch auf Anschlussflüge angewendet werden, sofern sie nicht unabhängig voneinander gebucht werden. 

Bucht der Kunden seine Flüge jedoch zusammen, ist die Airline in den meisten Fällen auch für das Erreichen des Anschlussfluges verantwortlich. Sollte die Umsteigezeit kürzer sein als ursprünglich geplant, muss die Fluggesellschaft alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, damit ihre Fluggäste alle Anschlussflüge erreichen. Hat die Airline hingegen bei einer Verspätung nichts unternommen oder ist die Umsteigezeit generell zu kurz, haben die Kunden Anspruch auf eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Zahlt die Airline nicht, können die Kunden eine Entschädigungsklage einreichen.

Gegenargumente der Airlines

In vielen Entschädigungsfällen beruft sich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände. Dies ist aber bei Anschlussflügen nicht anwendbar. Daher muss ein minutengenauer Nachweis aller Vorgänge am Gate vorliegen. Wenn die Airline ihre Boarding- und Abflugzeiten nicht exakt dokumentiert, könnte sie vor Gericht keine stichhaltigen Beweise vorbringen.

Kann die Fluglinie vor Gericht allerdings nachweisen, dass die Umsteigezeit ausgereicht hätte und sie alles in ihrer Macht Stehende unternommen hat, damit der Kunde seinen Anschlussflug erreicht, liegt die Last beim Kunden. Bei großen Flughäfen werden Zeiten von unter 60 Minuten häufig nicht als ausreichend bewertet. Allerdings müssen die diese Sachverhalte individuell überprüft werden. Dabei werden die Entfernungen von den Gerichten so genau wie möglich geschätzt. Stellt sich heraus, dass die Umsteigezeit problemlos ausgereicht hätte, muss zugunsten der Fluggesellschaft entschieden werden.

Der Bundesgerichtshof zu Anschlussflügen

Schon 2012 entschied der BGH, dass die Anwendbarkeit der Fluggastrechte für jeden Fall einzeln entschieden werden muss, sobald die Buchung aus mehreren Flügen besteht. Das gilt selbst dann, wenn die Flüge unter einer Buchungsnummer zusammengefasst sind. Ebenfalls mit Urteil vom 13.11.2012 stellte der BGH fest, dass die EU-Fluggastrechteverordnung jedoch Anwendung finden sollte, wenn ein einheitlicher Flug vom Start- bis zum Zielflughafen vorliegt. Ausnahmen können allerdings auftreten, wenn der Anschlussflug außerhalb der Europäischen Union angetreten wird. Da immer wieder Sonderfälle wie dieser auftreten, ist eine individuelle Prüfung vor Gericht notwendig.