Optimale Vorbereitung: Richtig in Rente gehen

Rentner werden nur finanziell und beruflich in den Ruhestand geschickt. Bereiten Sie sich emotional frühzeitig auf den neuen Lebensabschnitt vor!
Optimale Vorbereitung: Richtig in Rente gehen
Vorfreude auf den Ruhestand (Bild iStock)

Angst vor dem Black Hole nach Renteneintritt unbegründet

Während des Berufslebens ist der Tag klar strukturiert. Der Wecker läutet den Morgen ein, die Stechuhr die Leistungsphase. Pausen dazwischen und Freizeit danach sind kostbar. Im Laufe dieser teils fremdprogrammierten Zeit wird vieles zur Routine. Die ersten Wochen in Rente lassen viele Menschen erst einmal in ein tiefes emotionales Loch fallen.

Fast alle Berufstätigen sind mit Rentnern in Kontakt. Sie erleben, wie sich diese verändern - entweder positiv durch neue Lebensfreude oder negativ durch ungeplante und ungewollte Freizeit. Dennoch gibt es keinen Grund, sich vor dem Rentenstart zu fürchten. Denn Träumen von später ist schon lange vor dem Tag X in Ordnung und sogar wichtig.

Aktive Berufstätige kommen in der neuen Freizeit oft nicht damit klar, dass sie plötzlich mehr Zeit für ihre Hobbys haben. Eher passive Menschen langweilen sich, ohne Idee für sinnvolle Abwechslung. Niemand sollte darauf warten, was die Zeit mit ihm macht. Aktive Vorbereitung ist gleichzeitig Gesundheitsvorsorge. Denn Altersisolation, Sinnmangel und unstrukturierte Freizeit können psychisch ernsthaft krank machen.

Planung der Zeit ab Renteneintritt etwa zwei Jahre vorher

Das »Büro im Kopf« begleitet viele Rentner noch für lange Zeit. Sie können nicht abschalten, stellen sich tausend Fragen und kommen einfach nicht zur Ruhe. Loslassen vom Beruf gelingt bei rechtzeitiger Vorbereitung mit diesen Massnahmen:

  • In den letzten beiden Arbeitsjahren mit anderen Personen über die bevorstehende Rente reden
  • Sich selbst einen »Ruhestandskompass« anlegen
  • Fragebogen aufstellen, zum Beispiel so:
  • Was vermisse ich im Rentenalter?
  • Mit welchen Aspekten des Berufslebens möchte ich abschliessen?
  • Welche Fähigkeiten habe ich im Berufsleben erworben?
  • An welche Berufsaspekte möchte ich mich auch als Rentner weiter gerne erinnern?
  • Mit wem aus der Firma möchte und/oder kann ich auch später in privatem Kontakt bleiben?

Eine solche Liste kann im Laufe der letzten zwei Arbeitsjahre wachsen oder schrumpfen. Durch die Fragen und Gespräche fällt die sonst übliche, dumpfe Angst rechtzeitig vom »inneren Balkon.«

Zeitlicher Überforderung durch Familiengespräche vorbeugen

Oma und Opa werden in Familien mit Kindern händeringend gesucht. Die Beschäftigung mit Enkeln und Urenkeln ist in der Rentenzeit auch in Ordnung. Allerdings müssen sich frisch gebackene Rentnern nicht als Dauerbetreuung aufopfern. Feste Regeln für künftige Betreuungszeiten sollten am besten ebenfalls in den zwei Jahren Planungsphase deutlich abgesprochen werden.

Der Hintergrund ist die allzu lieb gemeinte Bereitschaft, etwas für die jüngeren Familienmitglieder zu tun. Im Vordergrund müssen jedoch auch eigene Bedürfnisse stehen. Zeit für Genuss, für Treffen mit gleichaltrigen Freunden oder einfach den einsamen Abend im Park sind wichtig, um in Ruhe das private und berufliche Leben zu reflektieren und sich täglich über Wünsche und Sehnsüchte klarzuwerden.

Von erschöpften und überforderten Grosseltern hat keine Familie etwas. Besser werden gemeinsam Kaffeezeiten geplant, Ausflüge, Nachmittagsaufsicht und mehr. Ist die Familie wegen der Zeiteinschränkung beleidigt, sollte das die künftigen Rentner nicht abschrecken. Besser werden Strukturen vorher geplant, als hinterher Streit um wortlos vorausgesetzte Hilfe zu riskieren.

Kampf gegen Alterseinsamkeit noch während des Berufslebens aufnehmen

Die Aussicht auf einen Morgen ohne Wecker und einen Abend ohne Stechuhr nimmt vielen Menschen schon lange vor der Rente buchstäblich den Atem. Es gibt allerdings einen Weg, der aus der Sorge um einen sinnerfüllten Ruhestand eine Vorfreude auf den ersten, entspannten Morgenkaffee macht:

  • Wie ist der momentane Gesundheitszustand? Diese Selbstanalyse ist durchaus relevant für die ersten fünf bis zehn Rentenjahre und umsetzbare Pläne.
  • Welche lang gehegten Wünsche kann ich mir - ohne finanzielle Belastung - endlich erfüllen? Drei genügen schon, um ihnen in den letzten zwei Berufsjahren entgegenzufiebern.
  • Wie stelle ich mir eine Tagesstruktur ohne Berufsansprüche künftig vor? Dies hilft gegen Selbstvernachlässigung.
  • Wie bekämpfe ich mögliche Einsamkeit im Rentenalter? Viele Rentner haben keine Familie oder nur losen Kontakt zu entfernt lebenden Verwandten. Mögliche Alternativen können der Eintritt in einen Verein oder die Planung ehrenamtlicher Mitarbeit sein.

Partnerschaftlich sollte ebenfalls zwischen Eheleuten oder Partnern vorher geklärt werden, wie viel Freiraum jeder in der Beziehung braucht. Allzu oft betrachten Rentner das Zusammenleben jetzt als Zuflucht und beginnen, zu klammern. Oder sie erzwingen sich Freiraum, den sie jahrzehntelang nicht wollten oder hatten. Eine Krise kann nur verhindert werden, wenn berufstätige Partner und Rentner klare Absprachen treffen.

In solche Kompromisse darf gerne so viel wie möglich individueller und gemeinsamer Genuss mit eingeplant werden. Beispielsweise gehen die Rentner wochentags ihre eigenen Wege und planen gemeinsame Wochenendausflüge oder Urlaubszeiten. Hilfreich kann es auch sein, sich auf gemeinsame, neue oder wiederbelebte Hobbys zu besinnen.

Fazit:

Statt Vorfreude auf das Rentenalter empfinden viele Berufstätige die Aussicht als beängstigend. Sie können dieser Angst durch frühes Planen des künftigen Rentneralltags vorbeugen. Partnerschaftliche Vereinbarungen helfen dabei, nicht plötzlich in eine Krise wegen unterschiedlicher Erwartungen zu geraten.


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