Man muss nicht immer gleich auswandern

Es gibt gute Gründe, nach der Pensionierung auszuwandern und sich im Wunschland niederzulassen. Ebenso gibt es gute Gründe, dies nicht zu tun.
Man muss nicht immer gleich auswandern
Küstenwanderweg an der Costa Blanca mit Blick auf den Ifach in Calpe (Bild zVg)

Wer sagt denn, dass es nicht möglich ist, zwischen zwei Welten zu pendeln und sich auf diese Weise einen neuen Lebenskreis zu schaffen.

Mein Mann und ich pendeln zwischen der Schweiz und Spanien. “Zuhause ist dort, wo man sich wohlfühlt”. Damit man das an mehreren Orten tun kann, ohne oberflächlich zu sein, sind einige Grundregeln zu beachten. Zudem kann es, gerade wenn das Umfeld des Arbeitsplatzes und die den Tag durchstrukturierte Agenda wegfallen, zu eine anregenden, neuen Herausforderung werden. 

Wir sind Gäste

Erinnern Sie sich noch, wie lange Sie benötigten, um im Umfeld Ihres Berufsalltags akzeptiert und integriert zu sein? Das geht nicht von Heute auf Morgen. Präzise gleich ist es mit dem Aufbau eines zweiten Zuhause oder sogar der zweiten Heimat. Es benötigt Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich zu integrieren. Im Unterschied zum Berufsalltag ist es nun der private Alltag, und man kann selber entscheiden, wie weit man sich eingeben und teilnehmen möchte. Im Gastland sind nicht nur die ordentlichen Gesetze zu respektieren, sondern auch die gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten: warten, weil nicht alles so schnell abläuft, sich nicht darüber aufregen, wenn nicht alles top organisiert ist etc.. Auch wir sind ja nicht frei von “schweizerischen” Gedanken.Vor drei Jahren liessen wir im Haus die Fenster ersetzen. Die alten Fenster wurden fachgerecht ausgebaut. Es war November und so richtig nasskalt. Wegen des starken Regens waren die Schulen geschlossen. Der Schreiner informierte uns, dass der Einbau der neuen Fenster erst in einigen Tagen erfolgen werde. Weil die Schulen wegen des starken Regens geschlossen seien, ginge er mit seinen Kindern ins Hallenbad, seine Frau täte dies nicht gerne. Erst schluckten wir kurz leer und waren erstaunt. Doch reklamieren hätte nichts gebracht, denn das ökonomische Denken steht hier nicht so sehr im Zentrum wie in Mitteleuropa.

Den Alltag erneuern

Ich schreibe das bewusst so, denn es ist aus meiner Sicht eine echte Herausforderung, weil, ohne Geduld, Gelassenheit und Toleranz der einheimischen Lebensgewohnheiten das Risiko des Scheitern besteht. Bleibt man für längere Zeit am neuen Ort, sind die ersten Wochen sicher gefüllt mit neuen Eindrücken und Erlebnissen. Schon das Einkaufen und die Suche nach Alltagsmaterialien benötigt mehr Zeit. Nach einer Weile kommen “leere Zeiten”, die aufgefüllt werden müssen. Wichtig erscheint mir hier, die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen zu kennen und einige Elemente in den Alltag einzubringen, die man selbst und unabhängig ausführen kann. Es gibt Glückspilze, die können ihr Hobby, ihren Sport oder ihr sonstiges Steckenpferd einfach mit zügeln. Anderen fällt das schwerer. Ein täglicher Spaziergang durchs Dorf hilft, kulturelle und soziale Barrieren abzubauen. Mit der Zeit gilt man nicht mehr als Tourist, sondern als gern gesehener Gast. Nicht nur anonym, etwa im Supermarkt einkaufen, sondern auch dort, wo der Kontakt mit der Bevölkerung stattfindet, hilft ebenfalls sehr, sich zu integrieren. 

Vielen geht es wie mir selber, auch berufsbedingt pflegte ich wenig Hobbies. Musste mir ganze drei Jahre Zeit nehmen, bis mein spanischer Alltag stimmig war und ich diesen nach der Rückkehr aus der Schweiz gleich wieder aufnehmen konnte. 

Sprache ist wichtig - aber nicht nur

Gerade wenn man denkt, nicht für immer auszuwandern, stellt sich die Frage, inwieweit es notwendig ist, die Sprache der Einheimischen zu beherrschen. Unbestritten hilft die Sprache und vereinfacht vieles. Perfekt muss sie ja nicht sein, aber nebst dem Alltag ein paar gute humorvolle Redewendungen zu kennen, hilft ungemein. Doch allein seligmachend ist die Sprache nicht. Vielmehr ist es notwendig, auch kritisch zu bleiben und “nein” sagen zu können. Oft höre ich den Satz: “Übers Ohr gehauen wird man sowieso”. Ich nenne das anders: es sind die Erfahrungen, aus denen wir lernen können. Für grössere Anschaffungen und Dienstleistungen mehrere Offerten einholen entspricht auch im Gastland als sinnvolles Prinzip. Die Unterschiede bei Angeboten und Preisen sind zuweilen sehr gross, und man kann mit mehreren Offerten - und dadurch besseren Kenntnissen - verhandeln. Dies im Wissen, dass für die “reichen” Mittel- und Nordeuropäer immer ein Aufpreis berechnet wird.

Marianne Dobler-Müller kennt Spanien seit über 30 Jahren. Dieses Land ist heute ihr zweites Zuhause. Ihre Erkenntnisse und Eindrücke hält sie regelmässig im Tapas-Blog  https://mariannes-tapas.blogspot.com/ fest.

 


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